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Alle Dinge sind zusammen in Aktion,
Doch ich schaue ihre Nichtaktion.
Das allverwandelnde Wandellose
zu begreifen, heißt:
Erleuchtet sein.
Tao-Weisheit

Vom Wandel und Wirklichkeit


Jörg Wieles Skulpturen verändern ihre Gestalt schon beim leisesten Windhauch. Sachte gerät die harmonische Erscheinung der fein ausbalancierten Arbeiten in Bewegung, und in der Folge geschieht etwas völlig Überraschendes: Auch in ihrer fließenden, gleichmäßigen Bewegung offenbart sich augenscheinlich ein Bild vollendeter Harmonie. Das Zitat aus der Tao-Lehre vermittelt somit schon eine Ahnung davon, was den Bildhauer Jörg Wiele dazu veranlasst, seine die Phantasie beflügelnden, wandelbaren, kinetischen Werke in die Welt zu setzen. Wiele, der eigene Erfahrungen mit Meditationstechniken gemacht hat, weiß, dass sich sowohl in der bewegten Aktion wie auch im Ruhezustand eine Wirklichkeit zu erkennen gibt, ein „Ur- zustand“, den aber nur ein zur Meditation fähiger Mensch – oder wie oben formuliert – ein „erleuchteter Mensch“- zu erkennen vermag. Insofern spiegelt sich im fertigen Werk die Haltung des Künstlers – eine Beobachtung, die sich in jedem gelungenen Werk der bildenden Kunst machen lässt. Das Wunderbare und Besondere bei der Rezeption einer Wiele-Plastik vollzieht sich jedoch erst im nächsten Schritt – dann nämlich, wenn sich die im Werk eingefangene Haltung auf den Betrachter überträgt.

Die den Geist besänftigende Kraft dieser majestätisch kreisenden und schwebenden Arbeiten teilt
  sich im Idealfall auch der Wahrnehmung des Beobachters mit. Wenn er denn bereit ist, sich mit offenen Augen und ein wenig Zeit darauf einzulassen.

Versöhnung mit den Elementen

Obwohl sie prächtig und zuverlässig funktionieren, haben diese Windräder, Schwingen und „Garudas“ keine praktische Funktion. Es sind Kunstwerke, die den Betrachter innehalten lassen. Kunsthistorisch darf man sie aufgrund ihrer ästhetischen Vollkommenheit in einem Atemzug mit Brancusis Raumvogel nennen; im Hinblick auf ihre kinetischen Eigenschaften reizt der Vergleich mit Alexander Calders Mobiles. Deren Verspieltheit und Calders Hinnahme zufälliger, richtungsloser Bewegung überwindet Wiele jedoch, indem er seinen Objekten eine vorhersehbare, feingezirkelte Laufbahn auf den Leib schneidert. Kugellager und Gelenke garantieren einen reibungslosen Ablauf und bewirken, dass die eleganten, den Wind einfangenden Formen millimeterdicht aneinander vorbeigleiten.

Dass Bewegung hier zum plastischen Bild wird, erscheint zunächst wie eine banale Aussage. Wenn man aber die folgende Überlegung des Philosophen Henri Bergson gedanklich auf Jörg

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